Hundehaufen II – die Lösungsansätze

Wie man mich informiert hat habe, wohne ich in einem bevorzugten Quartier, in einem der Pionierbezirke für die Dog Service Stations (nennen wir sie doch DSS) des Stadtmöblierungsunternehmens Wall AG. Zeit für einen kleinen Produktevergleich mit dem seit über 20 Jahren angewandten Schweizer Robidog-Kasten, der zugegebenermassen fast steinzeitlich da steht, und diesen orangen Pionier-Säulen in Berlin.

 Als Schweizer hätte ich zunächst malauf eine Notrufsäule getippt. Bei näherem Hinsehen offenbart sich dann aber der Zweck: das ist ein ausgeklügeltes Hundekot-Entsorgungssystem. Leider bin ich trotz mehreren Versuchen zu ungeschickt, eines dieser Papiersäckchen rauszuziehen, anscheinend kann das nicht jeder…

Dafür seien das Aufnehmen des Hundehaufens umso angenehmer, da (O-Ton Website) „Anders als bei Plastiktüten hat man dabei nicht das Gefühl, den Kot direkt anzufassen, sondern schaufelt das Häufchen sicher und hygienisch auf.“ 

Die DSS seien nachts beleuchtet und es seien in den ersten 4 Monaten schon 80’000 Tüten gezogen worden, wovon ca. 50% verwendet wurden. Dies in zwei Bezirken, die zusammen rund 650’000 Einwohner haben. Das ergibt bei durchschnittlich rund 5 Hunden pro 100 Einwohner 1 Hundehaufen, der pro Hund in dieser Zeit in den betroffenen Bezirken dank der 50 aufgestellten DSS aufgesammelt wurde. 

 

Das Schweizerische System (kann man das überhaupt System nennen?) ist vor allem von einem Hersteller geprägt nämlich der Robidog AG in Thun. Sowohl die Website als auch das Produkt sind etwashandgestrickter bescheidener konzipiert.

Zunächst einmal stimmt die Abgrenzung von Alarmsäulen: die Farbe ist grün, und man ist nicht auf Gesichtshöhe mit der delikaten Angelegenheit konfrontiert.

Das Prinzip ist einfach: man nimmt sich ein paar braune PVC-Säcke mit und wirft die vollen ein. Die Säcke sind genügend gross, dass sie zugeknotet und damit ziemlich geruchsfrei transportiert werden können. Geleert wird der Kasten durch die Gemeindeangenstellten, z.B. die Stadtreinigung oder die Gärtnerei. Die Tütenrollen reichen ziemlich weit (weit im wahrsten Sinne des Wortes, wenn irgendwelche Töfflibuebe die Rolle auf ihre ganze Länge ausziehen). Es gehört bei Hundespaziergängern zum guten Ton, dass zwei solche Tüten an die Hundeleine geknotet sind. Damit hängt man sozusagen den Saubermann raus, und hat den Vorrat immer im Überblick.

Die Mühe, die Statistik über die Zahl der verteilten Tüten zu machen, hat sich anscheinend in der Schweiz bisher niemand genommen. Eindrücklich ist aber die Zahl der in Betrieb stehenden Kästen: 40’000 sind laut den Angaben der Firmen-Website auf 1700 Gemeinden verteilt. Wer auch einen will: man kann sie online bestellen!

Wirklich interessant wäre es nun, die Kosten vergleichen zu können! Die Frage: wie viel kostet ein Hundehaufen weniger? Verständlicherweise stellt aber keine der beiden Unternehmen die Kosten auf die Website… Die Vermutung liegt nahe, dass das Berliner Modell sowohl bei der Investition als auch im Unterhalt teurer ist. Dies ist aber eine zu verifizierende Behauptung -> es gäbe also durchaus Stoff für einen dritten Hundehaufen-Blog!

Advertisements

2 Antworten zu “Hundehaufen II – die Lösungsansätze

  1. Die Berliner Hundehaufenbeseitigungsutensiliensäule ist wieder einmal typisch für unsere Hauptstadt. Groß, protzig und vermutlich mit High-Tech-Beleuchtung (als F-hainer, der nur selten nach S-berg kommt, habe ich noch keine gesehen).
    Ganz sicher ist sie auch ungemein wartungsintensiv, was aber wegen der angespannten Finanzlage nicht in ausreichendem Maß erfolgen kann. Außerdem war der Gehweg für die Aufstellung bestimmt mehr als zwei Monate lange aufgebuddelt. Die Bauarbeiten mussten wegen des völlig überraschend zu Tage getretenen märkischen Sands um ein Vielfaches in die Länge gezogen werden.
    Sei’s drum, Eure grünen Robidogs sind wohl leichter zu händeln, würden aber vom gemeinen Berliner Hundehalter ebenso ignoriert wie die orangenen Wall-Säulen.
    Schönes Blog übrigens.

  2. @pegasus: Gruß nach Friedrichshain aus Schöneberg! Die Scheiße türmt sich hier in der Tat gleich neben den orangeschimmernden Hightechsäulen. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum der „gemeine Berliner Hundehalter“ so borniert ist? Danke jedenfalls an den Schweizer Blogger, dass er sich des Themas annimmt! Freu mich schon auf „Hundehaufen III“. Mehr zum Thema samt engagierter Diskussion auch hier: http://london.tagesspiegel.de/?p=248

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s