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tschüssi machs gut…

Allzu schwer macht es mir Berlin nicht, mich zu verabschieden, es schifft und der Himmel ist grau.

Trotzdem, ist es hart, und ich weiss auch schon, dass ich diese Stadt vermissen werde, denn: hier lässt es sich leben!

Weil ich wohl zuweilen etwas nachlässig mit Schreiben war, ist hier schon noch ein Abschlussblog angesagt, der alles sagt, was ich nicht geschrieben habe. Weil ich wohl manchmal etwas zu kritisch war, und den Eindruck erweckte, Berlin bestehe nur aus Obama, Bier und Hundehaufen. Nein, ich mag ganz vieles an Berlin!

Ich mag es:

  • in der Ringbahn die Berliner Zeitung zu lesen.
  • im Café Bilderbuch zu frühstücken.
  • Velo zu fahren in Berlin.
  • Fahrrad zu fahren in dieser Fahrradfreundlichen Stadt.
  • mit dem Zweirad durch Berlin zu kurven:-)
  • mit Berlinerinnen und Berlinern über Demokratie zu sprechen.
  • die Berliner Demokratie zu beobachten, von der Spreeparade bis zum neuesten Volksbegehren.
  • an der Spree oder im Park ein Bier zu trinken.
  • in den Trödelmärkten am Sonntag rumzuwühlen.
  • im Mandelmond zu essen.
  • überhaupt zu essen in Berlin, macht Spass (z.B. eine Mohnschnecke…)
  • mich mit dem ß rumzuärgern, zu staunen dass man in Maßen und in Massen unterscheiden kann.

Ich mag noch vieles, vieles mehr! Und nun freue ich mich auch, wenns sein muss, wieder heimzufahren…doch muss ich schauen, dass ein Koffer bleiben kann:-)

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…danke für s Lesen meines Blogs, der Hundehaufen III erscheint nicht mehr, weil mir niemand, niemand, in der Verwaltung hier Auskunft geben will, was denn das kostet.  Ein Robidog (die Schweizer Lösung) kostet jedenfalls um die 500 Franken, 250 Säcke sind zu 5.80 zu haben (Firma Steurer, Altach).

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Wenn die Schweizer mal feiern dann regnet es!

So war es tatsächlich dann am Abend: kaum wollte man sich in der prächtig beleuchteten Botschaft dem Feuerwerk zuwenden, begann es wie aus Kübeln zu giessen! Und obwohl das Feuerwerk extra 10 Minuten vorgezogen wurde, waren wir nur ein paar ganz harte Schweizer, die es sich bis zum (wirklich prächtigen) Ende anschauten. 20 Minuten Feuerwerk unter ständig stärker werdendem Regen leistete sich die Schweiz resp. der Gastkanton Graubünden.

Graubünden, dieser Tourismuskanton klotzte ganz gewaltig! Er war vor allem am Volksfest präsent, mit Präsentationen, Tausenden von Gratis Essen. Fast eine Million CHF kostete der Auftritt als Gastkanton, der Kanton übernahm anscheinend davon ca. 400’000. Den Rest deckten Sponsoren. Die Bündner scheuten keine Mühe für das Fest am S-Bahnhof Friedrichstrasse! 300 Ziegen (alle gegen Maul- und Klauenseuche geimpft, worauf die peniblen Amtsstellen bestanden) wurden in fünf Lastwagen für 3 Tage aus dem Bündnerland (es waren sogar Geissen aus dem Verzasca-Tal dabei!) nach Leipzig auf eine Weide gebracht, und kamen für heute in die Hauptstadt, wo sie in einer Ziegenparade durch die Strassen zogen. Da passte auch der Auftritt Linard Bardills, der sang: „Was i nit weiss, weiss mini geiss…“. Es waren mehr als 3 Busse an Bündnern, die hierhergefahren wurden, um ihren Kanton zu vertreten. Von der Bundesrätin, über ein ganzes Musical bis zu zwei Dutzend Geissenmelkern (die jeweils am Morgen um 4 aufstehen mussten, um die Ziegen in Leipzig zu melken!) und nochmals sovielen GeissenführerInnen (die dann auch als Heidi und Geissenpeter in den traditionellen Trachten als Foto-Objekt dienten).

Alphornbläser, Kochteams und Tourismusexperten wurden alle hergebracht! Da hat sich ein Kanton die Chance gepackt, sich zu präsentieren! 

Auch die Schweizer Botschaft stellte sich noch mehr ins Rampenlicht, als sie es durch ihre Lage allein schon ist:

Vielleicht war das alles insgesamt zuviel, so dass dann die deutschen Regengötter fanden, „nö, jetzt reichts“ und den Regen zum Feuerwerk schickten…naja, wenn wir wollen, dass die Deutschen die Tourismus-Angebote der Schweiz nutzen, kann es ja nur von Vorteil sein, wenn in Berlin nicht zu schönes Wetter ist:-)

Heute ist 1. August!

Was für einen Zauber diese Worte für uns Kinder jeweils hatten, wenn wir in den Bergen in den Ferien oder im Hochsommer zuhause waren! Da wurde Tage im Voraus Feuerwerk gebastelt (ja, das kann man!) und in der Puppenstube kam z.B. Adolf Ogi vorbei und hielt eine Rede:-)

Am Feiertag selbst mussten wir dann am Nachmittag etwas schlafen, weil’s am Abend spät wurde, wir hatten uns vielleicht die 1. August Rede des Bundespräsidenten angehört. Am Abend dann ein leckeres Znacht (1. August-Weggen, Tomaten und Mozarella oder Gruyère, Schoggimousse oder Erdbeeren mit Schlagrahm zum Dessert) Lampions und schliesslich das Feuerwerk – feierliche Stimmung, bis es dann knallte und wir von einem Hügel das Feuerwerk der Gemeinde, der Nachbarn bestaunten, unser eigenes abbrannten. Und irgendwann dann: ins Bett, mit dem Gefühl, in einem Land zu leben, das sich feiert…

Lange ists her, und aus Berlin schaue ich aus Distanz in die Schweiz und sehe sie feiern. Gelungeneund weniger gelungene (aber in ihrer gutgläubigen Naivität und vom Ton her auch rührende) Versuche, unserer Regierungsmitglieder, über unser Land nachzudenken finden sich bereits jetzt im Internet.

Ich spare mir die 1. August Rede, wünsche aber der Schweiz zum Geburtstag, dass wir uns von der Welt inspirieren lassen, gleichzeitig aber in die Welt strahlen (auch wenn wir die AKWs mal abschalten sollten!) und uns zu mutigen Entscheiden für die Zukunft durchringen in diesem kommenden Jahr! Angst bringt nämlich nichts, sondern ist – wie man ja weiss – ein gefährlicher Ratgeber…

Hier in Berlin wird am Abend bei der Schweizer Botschaft „das grösste Sommerfeuerwerk Berlins“ gezündet. Da werde ich sein. Und vielleicht auch mal schnell am Schweiztag, der dieses Jahr mit dem Gastkanton Graubünden bei der S-Bahn-Haltestelle Friedrichstrasse stattfindet…ob ich mich wohl schämen werde? „Wenn ein Schweizer im Ausland Schweizerdeutsch hört, dann schweigt er“ sagt man. Naja, ich werde wohl vor allem eine Portion Capuns geniessen!

Sprachliche Entdeckungen I – die Schrippe

Zur Abwechslung mal wieder ein etwas appetittlicheres Thema:-)

(aber versprochen: der Hundehaufen III – Post kommt noch, der Kostenfrage dürfen wir nicht ausweichen!)

Bevor ich nach Berlin gekommen bin, kannte ich das Wort Schrippe wohl nur in einem höchst unklaren Passiv-Verständnis in der Wendung „Du alte Schrippe“ oder „diese alte Schrippe“ im Sinn von alte Hexe, altes hässliches Weib. Habe das wohl bei meinem geliebten Erich Kästner mal gelesen. 

Bereits beim ersten Besuch in einer Bäckerei offenbarte sich mir nun der eigentliche Sinn dieses Wortes: Hier ist eine Schrippe ganz einfach ein Brötchen (in der Schweiz ein Brötli, in Österreich wohl eine Semmel). Die Schrippe wird hier zu einem (finde ich) günstigen Preis zwischen 9 und 30 Cent verkauft und isst sich frisch am besten, denn sie trocknet schnell aus und wird zur harten alten Schrippe. 


Wie man mir erklärt hat, sagt es auch einiges über den Sprecher aus, ob er nun Schrippe oder Schrüppe sagt. Je mehr das i ein ü ist, desto eher kommt der Sprecher aus ungebildeten, tieferen sozialen Schichten. Stümmt dös?

Hundehaufen II – die Lösungsansätze

Wie man mich informiert hat habe, wohne ich in einem bevorzugten Quartier, in einem der Pionierbezirke für die Dog Service Stations (nennen wir sie doch DSS) des Stadtmöblierungsunternehmens Wall AG. Zeit für einen kleinen Produktevergleich mit dem seit über 20 Jahren angewandten Schweizer Robidog-Kasten, der zugegebenermassen fast steinzeitlich da steht, und diesen orangen Pionier-Säulen in Berlin.

 Als Schweizer hätte ich zunächst malauf eine Notrufsäule getippt. Bei näherem Hinsehen offenbart sich dann aber der Zweck: das ist ein ausgeklügeltes Hundekot-Entsorgungssystem. Leider bin ich trotz mehreren Versuchen zu ungeschickt, eines dieser Papiersäckchen rauszuziehen, anscheinend kann das nicht jeder…

Dafür seien das Aufnehmen des Hundehaufens umso angenehmer, da (O-Ton Website) „Anders als bei Plastiktüten hat man dabei nicht das Gefühl, den Kot direkt anzufassen, sondern schaufelt das Häufchen sicher und hygienisch auf.“ 

Die DSS seien nachts beleuchtet und es seien in den ersten 4 Monaten schon 80’000 Tüten gezogen worden, wovon ca. 50% verwendet wurden. Dies in zwei Bezirken, die zusammen rund 650’000 Einwohner haben. Das ergibt bei durchschnittlich rund 5 Hunden pro 100 Einwohner 1 Hundehaufen, der pro Hund in dieser Zeit in den betroffenen Bezirken dank der 50 aufgestellten DSS aufgesammelt wurde. 

 

Das Schweizerische System (kann man das überhaupt System nennen?) ist vor allem von einem Hersteller geprägt nämlich der Robidog AG in Thun. Sowohl die Website als auch das Produkt sind etwashandgestrickter bescheidener konzipiert.

Zunächst einmal stimmt die Abgrenzung von Alarmsäulen: die Farbe ist grün, und man ist nicht auf Gesichtshöhe mit der delikaten Angelegenheit konfrontiert.

Das Prinzip ist einfach: man nimmt sich ein paar braune PVC-Säcke mit und wirft die vollen ein. Die Säcke sind genügend gross, dass sie zugeknotet und damit ziemlich geruchsfrei transportiert werden können. Geleert wird der Kasten durch die Gemeindeangenstellten, z.B. die Stadtreinigung oder die Gärtnerei. Die Tütenrollen reichen ziemlich weit (weit im wahrsten Sinne des Wortes, wenn irgendwelche Töfflibuebe die Rolle auf ihre ganze Länge ausziehen). Es gehört bei Hundespaziergängern zum guten Ton, dass zwei solche Tüten an die Hundeleine geknotet sind. Damit hängt man sozusagen den Saubermann raus, und hat den Vorrat immer im Überblick.

Die Mühe, die Statistik über die Zahl der verteilten Tüten zu machen, hat sich anscheinend in der Schweiz bisher niemand genommen. Eindrücklich ist aber die Zahl der in Betrieb stehenden Kästen: 40’000 sind laut den Angaben der Firmen-Website auf 1700 Gemeinden verteilt. Wer auch einen will: man kann sie online bestellen!

Wirklich interessant wäre es nun, die Kosten vergleichen zu können! Die Frage: wie viel kostet ein Hundehaufen weniger? Verständlicherweise stellt aber keine der beiden Unternehmen die Kosten auf die Website… Die Vermutung liegt nahe, dass das Berliner Modell sowohl bei der Investition als auch im Unterhalt teurer ist. Dies ist aber eine zu verifizierende Behauptung -> es gäbe also durchaus Stoff für einen dritten Hundehaufen-Blog!

Viel Schall um Rauch!

Morgen schaut der Berliner Genussraucher, die „Wirtin für Rauchende Gäste“ und wohl auch die kaffeetrinkenden Kettenraucherinnen nach Karlsruhe.

Dort wird nämlich das Bundesverfassungsgericht darüber urteilen, ob und wenn ja in welchem Rahmen Rauchverbote in Wirtsbetrieben zulässig sind. Die Urteilsverkündung wird live im deutschen Fernsehen übertragen – da darf sich die Zuschauerin mal über ein Nichtfiktives-Gerichtsurteil langweilen freuen.

In Berlin ist die Frage des Rauchens aber – warum sonst würde ich darüber schreiben:-) – auch Gegenstand eines laufenden Volksbegehrens. Die Initiative für Genuss Berlin hat nämlich mehr als 20’000 gültige Unterschriften gesammelt für eine Abänderung des Nichtrauchergesetzes in der deutschen Hauptstadt. Für die zweite Stufe suchen sie nun Unterstützung (z.B. in der Form von – was für eine wunderschöne Kreation – Kiezpaten), denn 170’000 Unterschriften sammeln sich nicht von alleine…

Denn – und das ist eine etwas merkwürdige Geschichte: in Berlin ist seit dem 1. Januar 2008 das Rauchen in Restaurants, Cafés usw. verboten, und seit dem 1. Juli ist nun auch die Übergangsfrist abgelaufen. Nur: in ganz vielen Lokalen wird weiterhin gepafft, weil ein eigentlicher Vollzugsnotstand herrscht. Für die Umsetzung des Verbots sind nämlich die Bezirke zuständig. Die meisten weigern sich aber momentan noch, ihre knappen Ressourcen dafür einzusetzen. So wird es nun tatsächlich entlang der Bezirksgrenzen eine unterschiedliche Umsetzung des Rauchverbots geben. Und im Land der Ordnung, ja sogar der einstigen Preussenhauptstadt wird ein Verbot nicht durchgesetzt.

Die Erfahrung aus der Schweiz jedenfalls zeigt, dass dort, wo das Volk darüber abgestimmt hat, eher ein strenges Rauchverbot erlassen wird (die Mehrheit der Menschen sind ja Nichtraucher – da kommt schon bald das Problem der Mehrheitsdiktatur über die armen Raucher). Diese Perspektive der erlebten Demokratie möchte ich den Berlinerinnen und Berlinern eigentlich wirklich gönnen, und hoffe, sie entscheiden in dieser Angelegenheit, die ja wirklich jeden und jede Einzelne betrifft, selbst!

Fotos Obama

Ein paar Fotos, die Andreas während der Rede und bei Obamas „Bad in der Menge“ gemacht hat. Gibt’s noch mehr, Andi? Dann werden die nämlich auch noch aufgeschaltet!

 

Für Interessierte: unterdessen ist auf youtube das Video von Obamas Rede aufgeschaltet.